Es war einmal...so könnte man hier sicher anfangen und ich denke die Geschichte der damaligen Technohochburg Sonneberg war ja für viele damals so etwas wie ein Märchen, etwas Besonderes eben.
Wie kam es dazu?
Eigentlich, wie sollte es anders sein, per Zufall. So hat ein DJ-Kollege sich damals im Stern-Radio beworben aufzulegen wo ich ihn begleitet und eben auch der Chef des damaligen Stern-Radios zugegeben war, mit dem ich dann ein wenig ins Gespräch kam. Als ich ihm verriet, dass ich mehr Techno- DJ sei, geriet er ins Grübeln und meinte ich hätte da was für mich, er baue gerade seine zweite Disco in Sonneberg um und dieser Sound habe ihn in Ibiza sehr gefallen.
Leider war mir die Disco die er meinte, bis dato unbekannt. Das Golden Gate war aber schon damals im Bereich Neustadt/Sonneberg eine Institution wegen seines mehr wavigen Einschlages bei den mehr Jüngeren.
Der DJ, der bisher alleine für den Sound im „Gate“ verantwortlich war, war natürlich nicht sehr begeistert über das Kuckucksei, dass ihm da ins Nest gelegt wurde. Noch dazu, dass der Techno, den ich aus München mitbrachte quasi innerhalb weniger Wochen angenommen wurde und die ersten Lieder sodann mit lauten Freudenrufen begrüßt wurden, was sich auch noch kontinuierlich steigerte.
Im Verlauf nur weniger Monaten hatte ich durch meine relative Narrenfreiheit die härtesten Technogeschichten der damaligen Zeit eingebracht. Sounds, der heute noch unter holländischen Gabber, sowie fast schon als Hardcore zu bezeichnen ist. Aber tonangebend waren auch gleichzeitig viele Sachen aus deutschen Landen von den Frankfurter Produzenten sowie auch schon die trendigen housigen Sachen wurden eingebaut.
Nun aber begann die Schwierigkeit: Der Sound war inzwischen fast vom ganzen Personal abgelehnt und so begann mit der Zeit ein manchmal nervenauftreibendes Gezanke über die Länge der Technorunden und den Inhalten. Das manchmal Barbedienungen schon meine schon eingemixte Scheibe runterrissen und meinten ich solle doch gefälligst was anderes spielen, gehört mit zur Krönung des ganzen.
Ein weiterer Aspekt, war halt dass zuviele Leute reinkamen, die nicht gerade den besten Ruf hatten, hierzu gehörten im wesentlichen die Hardliner aus der rechten und linken Szene. Ein Versuch den Einlass dieser Leute zu verhindern ist immer wieder gescheitert, da diese Leute ja ins Golden Gate reinsollten um eben das für die älteren Besucher gut angenommene Stern-Radio nicht zur Belastung zu werden. Dies war zwar für den Disco-Betreiber ein logischer Schritt, aber es hat eben halt viel von den Technoleuten gestört. Das ein guter Freund von mir mal unabsichtlich von solchen Leuten ein Glas Weizen an den Kopf bekommen hat, das ziemlich heftige Schnittwunden im Gesicht hinterlies, ist mir hier immer noch hängengeblieben und war für mich damals sehr ernüchternd.
Zu den besten Zeiten des Golden Gates fuhren die Leute zum Teil von Suhl und von Bamberg nach Sonneberg, was sich aber natürlich, sobald dort ähnliche Locations aufmachten, ändern sollte. Die nicht mehr zeitgemäße Sperrzeit von 1.30 Uhr wurde auch immer mit Rücksicht auf die Anwohner strenger ausgelegt, so dass natürlich auch hier bedingt durch den Trend immer länger fortzubleiben auch mal der Schlussstrich gezogen werden musste.
Insgesamt muss aber festgehalten werden, dass das Golden Gate in Sonneberg in der Aufbruchszeit des Techno einer der wichtigsten Locations war und ich mich hierfür bei all den Leuten, die dies damals ermöglicht haben, hier an dieser Stelle nochmals bedanken möchte.
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